Florian Maier
Interviewpartnerin: Florian Maier 
Interviewerin: Lina Ehrhardt
Datum: 29.05.2026
Ort: IGS Kandel
Florian Maier ist SPD-Landtagsabgeordneter in Rheinland-Pfalz und sitzt seit 2021 im Landtag. Als ehemaliger Lehrer setzt er sich vor allem für Chancengleichheit im Bildungswesen, regionale Entwicklung und die Interessen der Südpfalz ein. Darüber hinaus ist er seit vielen Jahren kommunalpolitisch aktiv: Er ist Ortsvorsteher von Dammheim und Mitglied des Stadtrats von Landau.
| Lina: |
Zum Einstieg eine persönliche Frage: Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie nach Jahren wieder das Schulgelände betreten haben?
|
|
Florian:
|
Mein Vater wohnt hier in Kandel, daher bin ich gelegentlich in der Gegend und denke dann oft an meine Schulzeit, besonders an die fünfte Klasse, als alles noch neu war. Ich erinnere mich noch genau an die ersten Wochen und Monate, das war wirklich etwas ganz Besonderes. Deshalb verbinde ich damit sehr positive Erinnerungen. Ansonsten erkennt man natürlich nur noch wenig wieder *lacht*.
|
| Lina: |
Gab es in Ihrer Schulzeit Momente, in denen jemand zu Ihnen gesagt hat: „Sie werden einmal in die Politik gehen“?
|
| Florian: |
Ob das genau so gesagt wurde, weiß ich nicht mehr, aber das Interesse hat sich tatsächlich während meiner Schulzeit entwickelt. Vor allem in der neunten und zehnten Klasse, kurz vor der Oberstufe, habe ich das gemerkt. Der Sozialkunde-Leistungskurs hat mir sehr viel Spaß gemacht - da bin ich am liebsten hingegangen und es war wirklich schade, wenn er mal ausfiel. |
| Lina: |
Was waren Ihre anderen beiden Leistungskurse? |
| Florian: |
Mathematik und Deutsch. Deutsch mochte ich auch immer sehr gerne. Mathematik hat sich aber erst mit der Zeit entwickelt, das war anfangs nicht unbedingt absehbar.
|
| Lina: |
Beschreiben Sie bitte, wie Sie ins Lehramt und schließlich in die Politik gekommen sind.
|
| Florian: |
Ich hatte dabei schon etwas Glück. Ich kam mit einer Realschulempfehlung auf die IGS und wurde im Aufnahmeverfahren ausgelost. Ich war aufgeregt und gehörte zum dritten Jahrgang dieser Schule überhaupt. Die Schule war noch im Aufbau, alles war neu – das war etwas Besonderes. Rückblickend war das ein riesiges Glück für mich. |
| Lina: |
Woran haben Sie gemerkt, dass Sie das Lehramt verlassen und in die Politik wechseln wollten?
|
| Florian: |
Das Lehramt habe ich nie wirklich hinter mir gelassen. Ich bin immer noch Lehrer, nur aktuell beurlaubt. Wäre ich bei der letzten Wahl nicht mehr gewählt worden, wäre ich zurück an die Schule gegangen. Das Mandat ist immer nur auf Zeit, das muss man wissen und darf es nicht als selbstverständlich betrachten. |
| Lina: |
Haben Sie selbst etwas in Ihrer Schulzeit erlebt, wofür Sie heute im Bildungsausschuss kämpfen?
|
| Florian: |
Ja, das ist wirklich mein Hauptantrieb: Chancengleichheit. Dass jeder die Möglichkeit hat, so weit zu kommen, wie es ihm möglich ist – ohne durch die finanzielle Situation der Familie eingeschränkt zu werden. Ich habe das selbst erlebt: Meine Mutter war alleinerziehend und ich merke, wie viel Glück ich mit einem Schulsystem wie dem der IGS hatte. Das ist eines der wichtigsten Themen, um die wir uns in der Landespolitik kümmern müssen. |
| Lina: |
Was vermissen Sie am Klassenzimmer?
|
| Florian: |
Das Vermissen hält sich eigentlich in Grenzen, weil ich die Politik sehr gerne mache, obwohl es für mich auch kein Problem wäre, sofort wieder Lehrer zu sein. Der zeitliche Aufwand als Politiker ist noch größer; manchmal denke ich schon: „Ach, ein komplett freies Wochenende wäre schön.“
|
| Lina: |
Haben Sie etwas aus der Arbeit im Klassenzimmer mitgenommen, das Sie als Politiker einsetzen können?
|
| Florian: |
Die Fähigkeit, genaue Fragen zu stellen, um Menschen zum Nachdenken zu bringen. Das habe ich als Lehrer gelernt und setze es bis heute ein.
|
| Lina: |
Was ist ein Vorurteil gegenüber Politikern, das Sie für völlig falsch halten? |
| Florian: |
Zwei Dinge fallen mir da spontan ein: Zum einen habe ich oft das Gefühl, dass Schülerinnen und Schüler denken, man müsse einen bestimmten Beruf haben oder etwas Bestimmtes studiert haben, um Politik machen zu können. Das stimmt nicht, denn Politik lebt davon, dass Menschen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen Verantwortung übernehmen. Im Landtag sitzen Menschen mit sehr verschiedenen beruflichen und persönlichen Hintergründen.
|
| Lina: |
Welche Eigenschaften braucht man Ihrer Meinung nach als Politiker? |
| Florian: |
Man muss nahbar sein und vor Ort für die Menschen da sein. Man braucht Empathie und muss gut zuhören können. Und man muss definitiv diskussionsfreudig sein – aber noch wichtiger ist es, auch mit Menschen klarzukommen, die eine andere Meinung vertreten. |
| Lina: |
Haben Sie einen Tipp für uns Schülerinnen und Schüler?
|
| Florian: |
Man muss im Leben mutig sein. Man kann sich immer fragen: Was ist das Schlimmste, das passieren kann? Meistens ist es gar nicht so schlimm und dieser Mut zahlt sich am Ende oft aus – und wenn nicht, vergisst man es nach ein paar Monaten sowieso. Das Motto „Ich mach’s nicht, das ist unangenehm“ halte ich für den falschen Weg. |
| Lina: |
Wie würden Sie sich selbst in drei Worten beschreiben? |
| Florian: |
Umgänglich. Engagiert. Zufrieden. |
| ______________ |
Wir bedanken uns herzlich bei Florian Maier für das offene und inspirierende Gespräch.

