Mit zwei starken Zielen im Gepäck – aus einstigen Gegenspielern freundschaftlich verbundene Nachbarn in der Mitte Europas zu machen und junge Menschen für Nachhaltigkeit, Klimawandel und Umweltschutz an Rhein, Ost- und Nordsee zu sensibilisieren – starteten wir, zwei Lehrkräfte und 21 Schülerinnen und Schüler der 11. und 12. Klassen der IGS Kandel, am 20. April zum Gegenbesuch zum Alssundgymnasiet in Sønderborg (AGS).
Möglich wurde dieser Austausch durch die Finanzierung aus Erasmus+ -Mitteln im Rahmen des Erasmus+-Programms der EU, die der IGS Kandel als Mitgliedsschule des Erasmus+-Konsortiums der ADD zur Verfügung standen.
Wir konnten zentrale Lernziele unserer Erasmus-Themen – u. a. Nachhaltigkeit, Demokratiebildung, Sprach- und interkulturelle Kompetenz – konkret umsetzen.
Schon ab der ersten Minute wurde Europa greifbar: Die Unterbringung in Gastfamilien öffnete Türen, Herzen und Horizonte. Alltag teilen, Humor entdecken, Rituale verstehen – und ganz nebenbei Englisch so selbstverständlich sprechen wie zu Hause die Muttersprache.
Lernziele, die man spürt – Schwerpunkte unseres Erasmus-Plans
- Nachhaltigkeit und Umweltbildung: Klimawandel, Küstenschutz, erneuerbare Energien – vom Klassenzimmer an die Küste gedacht.
- Demokratiebildung und Erinnerungskultur: Grenzräume, Minderheitenrechte, europäische Geschichte – reflektiert und diskutiert.
- Sprachliche und interkulturelle Kompetenzen: Englisch als Brücke, gelebte Gastfreundschaft als Lernraum.
- Vergleich von Grenzregionen: deutsch-dänische und deutsch-französische Perspektiven verknüpfen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede erkennen.
Anreise und Ankommen: Lernen unterwegs
Bereits während der Busfahrten wurde es lebendig durch gehaltene Kurzreferate und deren Reflexion zu folgenden Themen:
- Geschichte von Sønderborg
- Sprache, Kultur und Sport in Sønderborg und Dänemark
- Geschichte der deutschen Minderheit in Nordschleswig
- Grenze und Grenz- Pendlertum zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark ab Ende des 2. Weltkrieges (u.a. Bedeutung Wildschweinzaun)
- Tourismus in Dänemark
- Informationen zu Hitlers Atlantikwall und Radarstationen in Dänemark (Bunker von Rømø)
- Umweltproblematik der Nordsee und der Ostsee sowie Lösungs-/ Schutzkonzepte
- Pro und Contra für erneuerbare Energiekonzepte (Nordsee und Ostsee)
- Hamburg und Tourismus (Kultur, Sehenswürdigkeiten, Bedeutung als Hansestadt)
Der Abholmoment am Abend durch die Gastfamilien mit dem Aspekt der Erleichterung: „Es fühlt sich an wie ein Wiedersehen mit Freunden“ – der Besuch der dänischen Gruppe im November hatte bereits eine „menschliche Brücke“ gebaut.
Dienstag: Schule, Stadt, Schloss – Geschichte zum Anfassen
Nach dem Schul- und Unterrichtsbesuch am AGS ging es ins Schloss Sønderborg zur Ausstellung „Nordschleswig von der Wiedervereinigung bis heute – 100 Jahre mit Dänemark“. Grenzverschiebungen, Identitäten und europäische Integration wurden ganz konkret. Davor und danach erkundeten wir die Stadt in einer Aufgaben- und Fotorallye: eigene Perspektiven finden, Motive wählen, Geschichten im Stadtraum entdecken. Abends kamen wir erneut in der Schule zusammen – ein kulinarischer Abend mit italienischen und dänischen Spezialitäten. Teamwork, Lachen, neuen Lieblingsgerichten: Lernen, das durch den Magen geht.


Mittwoch: Rømø – Küstenwind, Bunker, Weitblick
Die Insel Rømø verband Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Bei der Bunkertour wurden Verteidigungsanlagen des Zweiten Weltkriegs sichtbar – eindrücklich und nachdenklich machend. Danach tat die Weite des Nordseestrands gut: durchatmen, sortieren. Besonders stark: Vieles davon hatten die Schülerinnen und Schüler in Kurzreferaten (siehe oben) vorbereitet: – Tourismus in Dänemark, Hitlers Atlantikwall, Radarstationen. Vor Ort wurden diese Themen greifbar. Umweltprobleme an Nord- und Ostsee, Schutzkonzepte und die Chancen sowie Grenzen erneuerbarer Energieformen wurden diskutiert: Ein Tag, der zeigte, wie eng Nachhaltigkeit und Erinnerungsarbeit zusammengehören.

Donnerstag: Grenzgeschichten, Minderheiten, 1864
Nach dem Schul- und Unterrichtsbesuch führte uns der Besuch im Deutschen Museum zu einer beeindruckenden Ausstellung in die Lebenswelt der deutsch-dänischen Minderheit und anschließend erfolgte der Besuch in dem Geschichtszentrum 1864 zu einer lebhaften Museumsführung.
Der Deutsch-Dänische Krieg, der Verlust Sønderjyllands an Preußen – erzählt mit Emotion und Tiefgang. Aha-Moment: Geschichte ist näher als man denkt und erklärt, warum Vielfalt und Zusammenhalt heute so wichtig sind.


Freitag: Bilanz, Debatte, Blick nach vorn
Der letzte Tag begann mit Fragen und Diskussionen zu Grenzgebieten und persönlichen Erkenntnissen der Woche. In der Auswertung des Austauschs wurden Perspektiven gebündelt und die SchülerInnen stellten erstaunt fest:
Wie viel wir gelernt, wie unterschiedlich wir gedacht – und wie stark uns gemeinsame Ziele verbunden haben.
Mit einem Zwischenstopp in Hamburg – samt Input zu Grenzpendlertum, Stadtgeschichte und Tourismus – ging es über Nacht zurück nach Kandel. Bleibende Fakten: neue Freundschaften, ein erweitertes Europabild und das gute Gefühl, etwas gewinnbringend erlebt und erfahren zu haben.
Fazit – Highlights, Überraschungen, Lerngewinne
- Fremdsprachenkompetenz: Englisch im echten Leben – vom Frühstückstisch bis zur Museumsführung.
- Interkulturelle Stärke: Rituale verstehen, Humor teilen, Unterschiede schätzen, kulturelle Überschneidungen erkennen– Nähe statt Klischees.
- Demokratie und Erinnerung: Minderheitenrechte, Gedenkkultur, europäische Friedensarbeit – diskutiert, erlebt, verstanden.
- Nachhaltigkeit: Küstenschutz, Meeresumwelt, erneuerbare Energien – kritisch beleuchtet,
- Persönliche Aha-Momente: Geschichte ist kein Buchkapitel – sie lebt in Landschaften, Städten und Begegnungen.
- Überraschungen: Wie schnell Fremde zu Freundinnen und Freunden werden.
Die vielen begeisterten Rückmeldungen zeigen: Dieser Austausch hat Horizonte geöffnet – fachlich, persönlich und europäisch. Er hat die Sensibilität für Nachhaltigkeit, Klimawandel und Umweltschutz gestärkt und Brücken zwischen Kulturen gebaut. Genau dafür steht Erasmus+.
Ein herzliches Dankeschön an Erasmus+ für die Förderung im Rahmen des EU-Programms. Als Teil des Erasmus+-Konsortiums der ADD konnten wir die im Erasmus-Plan verankerten inhaltlichen Schwerpunkte – insbesondere Nachhaltigkeit, Demokratiebildung sowie Sprach- und Interkulturalitätsförderung – erlebbar machen. Wir freuen uns darauf, den Austausch fortzuführen, anspruchsvolle, nachhaltige Projekte zu entwickeln und mit unseren Partnern in Dänemark weitere prägende Begegnungen zu gestalten.

